Ein Artikel von Harald Heine
R. hatte es satt - schon wieder hatte er einer Führungskraft schonend beibringen müssen, dass der flexible Teil des Gehalts in diesem Jahr deutlich geringer ausfallen würde: "Sie wissen ja, wie es um unsere Branche steht." Alle hatten Verständnis gezeigt, aber R. konnte sich ausmalen, dass einige jüngere Hoffnungsträger in den nächsten Wochen intensiver in den Stellenportalen des Internets surfen würden.
"... die haben sie auch dichtgemacht! Was soll ich mich da noch ins Zeug legen?" schnappte R kurze Zeit später aus dem Gespräch zweier Meister im Vorbeigehen auf. Bei den Mitarbeitern in der Produktion war die Stimmung nach Monaten der Kurzarbeit auf dem Tiefpunkt. In der jüngsten Zeit hatte es eine Reihe von Produktreklamationen gegeben, die eindeutig auf Nachlässigkeit zurückzuführen waren. Auch hatte es vermehrt Verstöße gegen Sicherheitsbestimmungen gegeben. R. zweifelte. Wie sollte er mit dieser Truppe den Aufschwung schaffen?
Motivation ist in der Krise wichtiger denn je. Wenn Sie jetzt die richtigen Weichen stellen, können Sie es trotz Krise schaffen, die Guten zu halten und die Verzagten aufzubauen. Dazu ein paar Regeln:
Richten Sie den Blick nach vorn
Wenn erst einmal Untergangsstimmung herrscht wird der Untergang schnell herbeigeredet. Um das zu vermeiden müssen Sie Klartext reden. Die Krise darf nicht beschönigt werden, aber es muss deutlich gemacht werden, dass es einen Weg hinaus gibt. Das schafft Perspektiven. Eine "Gemeinsam kommen wir da raus" - Botschaft bindet den Einzelnen ein und motiviert ihn, auch in der Krise sein Bestes zu geben. Der Blick muss nach vorne gerichtet werden. Wer nur jammert verliert den Respekt der Mitarbeiter. Machen Sie die Geschäftsentwicklung transparent. In vielen Bereichen gibt es nach der Krise wieder eine Belebung und einen Anstieg der Aufträge. Kommunizieren Sie dies. Viele Unternehmen haben auch im Krisenjahr 2009 investiert. Das tut man nicht zum Zeitvertreib, sondern als Zukunftsvorsorge. Hängen Sie Ihre Zahl ans Schwarze Brett oder schreiben Sie einen Bericht für die Mitarbeiterzeitung. Nutzen Sie die Presse: Ein Artikel in der Lokalzeitung, in der sich die Geschäftsleitung hoffnungsvoll äußert, wird von den Mitarbeitern gelesen.
Kommunizieren Sie offen
In Krisenzeiten haben Gerüchte Hochkonjunktur. Zeigen Sie Präsenz vor den Mitarbeitern und kommunizieren Sie offen und vielleicht mehr als sonst. Nur wenn die Mitarbeiterschaft das Gefühl hat, dass sie mit Ihren Ängsten nicht allein gelassen wird, wird sie sich weiterhin zu einer guten Arbeitsleistung motivieren lassen.
Führungskräfte sollten sich öfter als sonst in der Produktion oder im Lager blicken lassen. Zeigen Sie auch mal Schulterschluss in der Kantine - Eintopf verbindet.
Wichtig ist, dass das Ganze nicht aufgesetzt wirkt. Jahrelang aufgebaute Distanz lässt sich nicht im Sprung überbrücken. Aber man kann jederzeit damit anfangen.
Loben Sie
"Gegen Angriffe kann man sich wehren, gegen Lob ist man machtlos", hat Sigmund Freud gesagt. Menschen wollen stolz auf ihre Arbeit sein. Lob vermittelt das Gefühl, dass Arbeit wertgeschätzt wird. Vier von fünf Mitarbeitern, die kündigen, tun dies, weil es ihnen an Anerkennung fehlt. Beugen Sie dem vor und loben sie. Wichtig ist, dass das Lob konkret am Einzelfall festgemacht ist. Ein Aushang der Geschäftsleitung, dass an der Maschine ein neuer Rekord gefahren wurde, verbunden mit einem aufmunternden "Weiter so", kann Wunder wirken. Loben Sie öffentlich. Lob kann man auch persönlich im Rahmen einer kleinen Versammlulng aussprechen. Das schmeckt doppelt gut. Warum nicht auch mal schriftlich Dank sagen? Ein Dankesschreiben, das demonstrativ der Personalakte zugefügt wird, schafft ein gutes Gefühl. Loben Sie auch Ihre Führungskräfte und motivieren Sie diese, selbst zu loben.
In schwierigen Zeiten gewinnen die engagierten Mitarbeiter - an Erfahrung, an Vertrauen und Selbstvertrauen - und das Unternehmen Marktanteile, nachhaltig!
Kümmern Sie sich
Kurzarbeit, Gehaltseinbußen und betriebsbedingte Kündigungen belasten das Klima und verbreiten Resignation. Gehen Sie offen mit dem Problem um, nehmen Sie dem Thema das Unaussprechliche und zeigen Sie Fürsorge. Sorgen Sie dafür, dass mit allen Betroffenen vom ersten Tag an gemeinsam nach Lösungen gesucht wird. Sie werden möglicherweise völlig neue Perspektiven entdecken, da Sie über die persönlichen Ziele Ihrer Mitarbeiter nur unzureichend informiert sind. Machen Sie Ihre Entscheidungen nachvollziehbar, damit sie von der Mitarbeiterschaft zumindest als gerecht empfunden werden. Berücksichtigen Sie die Familien der Mitarbeiter. Auch sie leiden unter Ängsten und Zweifeln, die mit nach Hause genommen werden und sind maßgeblich für die Stimmung Ihrer Mitarbeiter.
"HR is important in good times - it is critical and it defines you in bad times", hat der legendäre frühere CEO von General Electric, Jack Welch, in einem Interview gesagt
Der richtige Umgang mit dem "Humankapital" wird in der Krise zur dominanten Größe.
Ziele setzen
Erfolg gibt es auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Der Weg beginnt mit Transparenz und Information und setzt sich fort mit Definition klarer, abgestimmter, anspruchvoller Ziele.
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