Die Krise lässt auch weit blickende Personalchefs demütig werden. Kurzarbeit und Stellenabbau belasten nicht nur die kurz- und mittelfristige Personalplanung. Sie haben auch das Thema Nachwuchsbewerbung nach hinten rücken lassen. "Wie wollen Sie denn jetzt Leute für einen Job in der Branche begeistern?" lautet oft genug die Antwort. Wer jetzt jedoch dem Schweinezyklus folgt, wird beim Wiederaufschwung vor einem noch größeren Problem stehen als zuvor.
Schon jetzt werden nur rund 90 % der Ausbildungsstellen für Papiertechnologen besetzt. Und ob der von den Branchenverbänden geschätzte Bedarf von mehreren hundert neuen Ingenieuren in der Papierindustrie bis 2015 gedeckt erden kann ist nicht sicher. Dennoch zögern derzeit viele bei der Nachwuchswerbung und vergessen dabei den Zeitfaktor. Papiertechnologen, die heute ihre Ausbildung beginnen, stehen erst in 3 Jahren als vollwertige Facharbeiter zur Verfügung, bei Ingenieuren sind es 5 bis 6 Jahre. 2012 oder 2015 sehen selbst die größten Pessimisten die Wirtschaft wieder im Wachstum. Davon profitieren kann jedoch nur, wer auch dann qualifizierten Nachwuchs hat. "Mittelfristig wird der Fachkräftemangel viel elementarer sein, als die Wirtschaftskrise" prophezeite eine für die Arbeitsmarktberichterstattung zuständige Mitarbeiterin der Bundesagentur für Arbeit unlängst in der FAZ.
Viele Unternehmen übersehen vor lauter Krisenangst, dass der Wettbewerb um die besten Köpfe ungebrochen weitergeht. Der VDI, der immerhin 136.000 persönliche Mitglieder, darunter 20 % Studenten und Jungingenieure unter 33 Jahren, vertritt, sieht derzeit keinerlei Krise für Ingenieure. Bewerber haben zwar nicht mehr die breite Auswahl wie vor 2 oder 3 Jahren. Aber noch 2008, als die Vorboten der Krise schon zu erkennen waren, stieg die Zahl der Studienanfänger in technischen Studiengängen um gut 9 %. Die kleine Papierindustrie gehörte allerdings nicht zu den Profiteuren. Und sie zählt auch nicht zu den Branchen, die - im Gegensatz zu den ebenfalls krisengeschüttelten Automobilbauern - unter den Wunsch Top Ten liegen. Die Konsequenz für die Papierindustrie kann nur sein, sich keinem vermeintlichen "Schweinezyklus" zu unterwerfen und trotz der Krise weiter aktiv qualifizierten Nachwuchs zu werben.
Um dabei erfolgreich zu sein, muss sich die Branche weiter dem Wettbewerb um die Besten stellen und bei den Märkten der Möglichkeiten Flagge zeigen. Umwerbung der "High Potentials" auf Hochschulkontaktmessen, Präsenz auf Abiturientenmessen und sogar Werbung an Schulen sind unverzichtbar, wenn die Branche ihren Anteil am Bewerberkuchen von morgen haben will. Qualifizierte Personalberatungen mit Branchenkompetenz können den Unternehmen bei der Vorbereitung ihres Auftritts oder der Identifizierung neuer Kandidaten helfen, für die sich ein besonderes Engagement - etwa die Bereitstellung eines der viel nachgefragten Praktika oder eines Firmenstipendiums - lohnt.
Ein Artikel von Harald Heine.
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